Clouds 04.02.2019

Zehn Jahre Cloud Computing Leitfaden des Bitkom.

Ein Blick. Zurück. Nach Vorn. In Trauer.

Lang ist’s her. Vor fast zehn Jahren, im September 2009, erschien der erste „Leitfaden Cloud Computing“ des IT Branchenverbandes Bitkom, aus dem ich hier umfassend zitiere...

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„Cloud Computing ist eine Form der bedarfsgerechten und flexiblen Nutzung von IT Leistungen. Diese werden in Echtzeit als Service über das Internet bereitgestellt und nach Nutzung abgerechnet. Diese IT Leistungen werden auf nicht eindeutig oder dediziert zugeordneten Computing Ressourcen ausgeführt.  Damit ermöglicht Cloud Computing den Nutzern eine Umverteilung von Investitions- zu Betriebsaufwand.

 

Durch seine wirtschaftlichen Vorzüge wird Cloud Computing mittel- bis langfristig einen beträchtlichen Teil der traditionellen IT-Leistungsangebote ersetzen. Die Geschwindigkeit, mit der dieser Austauschprozess abläuft, hängt davon ab, wie schnell die Erfolgsfaktoren ihre Wirksamkeit entfalten. Eine schnellere Durchsetzung von Cloud Computing auf dem Markt setzt vor allem voraus, dass die Anbieter mit weiterentwickelten Konzepten für Datenschutz und Datensicherheit das Vertrauen der Nutzer stärken.

 

Unternehmen entscheiden sich für Cloud Computing eindeutig wegen des Potenzials zur Kostensenkung. Weitere Motive sind die Verlagerung von langfristig fixen Investitionen zu variablen Kosten, die schnelle Realisierbarkeit, eine größere Flexibilität und Skalierbarkeit der IT-Ressourcen sowie die nutzungsabhängige Bezahlung der IT-Services.

 

Was noch undenkbar erscheint - Unternehmen kommen ohne hausinterne IT- und Rechenzentren aus - könnte in 10-15 Jahren in vielen Unternehmen Realität sein. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist aber eine Koexistenz von bestehenden IT-Systemen und Cloud Computing zu erwarten.“

 

Soweit so gut.

Ich gebe zu, das war damals allgemein gehalten, dennoch ist es frappierend zu sehen, dass dieser kleinste gemeinsame Nenner in der heutigen, sehr komplexen Welt von On-Prem-, Private-, Hybrid- oder Virtual Private Cloud immer noch exakt Bestand hat. Der damalige Fokus auf Datenschutz und Datensicherheit wirkt heute fast prophetisch. Nicht vergessen: Wir reden über die „Vor-Snowden Ära“.

 

Man vergisst heute auch, dass das Cloud-Paradigma aus einer Zeit stammt, in der Begriffe wie Digitaler Wandel, Automation, IOT oder KI tatsächlich noch Zukunftsmusik waren. All diese Entwicklungen wären ohne Cloud Services nicht möglich gewesen.

 

Cloud im Jahr 2019 ist kein klar abzugrenzender Technologiebereich und schon lange kein Trend mehr. Cloud ist ein Bereitstellungsparadigma von Services auf verteilten Ressourcen. Die Cloud-Logik und Vorteile verbergen sich in jeder Service-Ebene moderner IT: von der Basis-Infrastruktur bis hin zur verteilten Anwendungsentwicklung.

 

Die Cloud hat also gewonnen – warum also die Ankündigung von „Trauer“ in der Überschrift?

Ich glaube, wir sind mittlerweile in die Phase eingetreten, in der es gilt Abschied zu nehmen. Abschied vom Begriff der Cloud, zumindest von Cloud-Diskussionen im „Entweder-Oder-Modus“. Ich plädiere für die Abschaffung des Begriffs: er verwirrt, er lenkt die Diskussionen fehl. Das Verständnis über die Cloud ist zu vielfältig geworden. Es geht nicht um die Cloud. Es geht um Services.

 

Die Diskussion in der IT wird sich zukünftig noch mehr auf Dienste oder Workloads konzentrieren und das ist auch richtig so. In weiteren zehn Jahren wird die Bitkom Definition für Cloud Computing endgültig in den Geschichtsbüchern stehen. Auch das ist gut so. Willkommen im Zeitalter der Services.

 

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Werner Lütkemeier
Leiter Cloud und Software Services